„Es ist nicht ganz so aussichtslos“ (Klima-Special)

Von uns bewertet am 6. April 2014

Veröffentlicht von: Frankfurter Allgemeine Zeitung

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien ein Interview mit einem der Leitautoren des zweiten Teils des neuen Berichts des Weltklimarates IPCC.

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. THEMENAUSWAHL: Das Thema ist aktuell, oder auch unabhängig von aktuellen Anlässen relevant oder originell.

Das Thema Klimawandel ist dauerhaft aktuell und relevant, die Veröffentlichung des IPCC-Teilberichts ein hochaktueller Anlass.

2. VERMITTLUNG: Komplexe Umweltzusammenhänge werden verständlich gemacht.

Das Interview enthält interessante Passagen, ist aber streckenweise nur für Insider verständlich. Schon die Unterstellung in der ersten Frage, ein Ökologe müsse mit dem Klimabericht zufrieden sein, erschließt sich nicht. Vor allem aber verzichtet der Interviewer an wichtigen Stellen auf Nachfragen. Z.B. wäre es interessant zu erfahren, warum das Aussterberisiko höher geworden ist. Unverständlich bleibt die Antwort auf die Frage, ob es auch „schwierige Diskussionen mit den Delegierten“ gegeben habe. Weder erfährt man, wer die Kontrahenten sind, noch wird deutlich, in welcher Beziehung erwähnte Aspekte wie Meeresspiegelanstieg, Klimawandel, Mangrovenzerstörung oder Städtebau wie in Saigon überhaupt zueinander stehen. Einige Fragen und Antworten sind unbeholfen und grammatisch grenzwertig formuliert. Zum Beispiel: „Als Mitteleuropäer ist der Klimawandel vielleicht gar nicht so schlecht.“ Auch passen Fragen und Antworten nicht immer zueinander bzw. der Gesprächspartner beantwortet manche Fragen nicht, ohne dass der Interviewer nachhakt. So z.B. bei der Frage: Ob der Bericht auch eine Fleißarbeit sei, „um nach den früheren Skandalen um die zweite Arbeitsgruppe die Integrität wiederherzustellen?“ Es folgt eine Aufzählung der Mühen mit dem begrenzten Platz, der zur Verfügung stand, aber KEINE Antwort darauf, ob es um die „Integrität“ der zweiten Arbeitsgruppe gegangen sei. Warum diese in Frage stehen könnte und worum es sich bei den angesprochenen „früheren Skandalen um die zweite Arbeitsgruppe“ überhaupt handelt, wissen sicher die wenigsten Leser noch. Erläutert wird all das nicht.

3. FAKTENTREUE: Der Beitrag gibt die wesentlichen Daten und Fakten korrekt wieder.

Das Interview enthält nur wenige Daten und Fakten, sondern eher allgemeine Einschätzungen. Doch bei den wenigen konkreten Beispielen fällt zumindest ein klarer Faktenfehler auf, nämlich wenn es heißt: „Nehmen wir den Brocken-Mohrenfalter in Bayern. Der kam auf dem Brocken südlich in den Alpen vor. Dem ist es da oben definitiv zu warm geworden, er ist damit weg aus Deutschland.“ Der Brocken ist der höchste Berg des Mittelgebirges Harz, das ist von Bayern und den Alpen weit entfernt – womöglich ist hier beim Redigieren des Interviews ein Teil von Setteles Ausführungen verloren gegangen. Ob sich der Segelfalter in Sachsen ausbreitet, wie es im Beitrag heißt, oder ob er sich dem Anschein nach eher zurückgezogen hat, hängt offenbar vom betrachteten Zeitraum ab. So gibt es Berichte, dass die wärmeliebende Art vom Klimawandel profitieren könnte, aber an anderer Stelle heißt es: „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war I. podalirius in Sachsen eine ‚verbreitet’ vorkommende Art (Möbius 1905). Zahlreiche historische Vorkommen sind aktuell erloschen (Reinhardt et al. 2007). Gegenwärtig konzentrieren sich die Nachweise auf zwei getrennte Gebiete (Elbtal und die nördliche Oberlausitz). In Deutschland und in Sachsen ist der Segelfalter stark gefährdet (Binot et al. 1998; Reinhardt et al. 2007). Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV): Besonders geschützte Art zu § 1 Satz 1.“Demnach ist die Darstellung im Beitrag zumindest stark verkürzt.

Umweltjournalistische Kriterien: 6 von 10 erfüllt

Allgemeinjournalistische Kriterien: 1 von 3 erfüllt

Wegen der Mängel in der Darstellung und der Faktenfehler werten wir um einen Stern ab.

Kriterium erfüllt

Kriterium nicht erfüllt

Kriterium nicht anwendbar