Bewertet am 24. Juni 2022
Veröffentlicht von: t-online.de

Der Artikel auf t-online.de verspricht Leserinnen und Lesern, dass sie mit basischen Lebensmitteln viele Gesundheitsprobleme in den Griff bekommen können. Doch der Text liefert weder Belege noch irgendwelche ExpertInnen, um die behaupteten Effekte dieser in der Alternativmedizin beliebten Methode glaubhaft zu machen.

Zusammenfassung

Der Beitrag auf t-online.de möchte Leserinnen und Lesern die „basische Ernährung“ vorstellen. Positive Effekte werden zwar einige beschrieben, jedoch in keinem Fall quantifiziert, negative Effekte werden praktisch nicht angesprochen. Ob es möglich wäre durch andere Ernährungsformen oder Maßnahmen ähnliche Effekte zu erzielen, bleibt offen. Wie gut die Effekte durch Studien untersucht sind, wird nicht hinreichend deutlich. Eine Einordnung durch unabhängige ExpertInnen gibt es im Artikel nicht. Den Kontext zur basischen Ernährung bekommen Leserinnen und Leser nicht vermittelt. Eine kritische, journalistische Auseinandersetzung mit dem Konzept durch Ernährung den Säure-Basen-Haushalt des Körpers zu beeinflussen, findet nicht statt, es wird nicht mal verständlich gemacht, was „basische Ernährung“ im Körper bewerkstelligen soll. Es ist nicht erkennbar, welche relevanten oder aktuellen Informationen Leserinnen und Leser durch diesen Artikel erhalten.

Title

Die Kriterien

1. Die positiven Effekte sind ausreichend und verständlich dargestellt.

Eine basische Ernährung soll gemäß dem Artikel eine Reihe von positiven Effekten haben: das Immunsystem stärken und darum das Risiko für chronische Erkrankungen wie Rheuma, Arthrose oder Schlaf- und Verdauungsstörungen senken, positiv auf die Knochendichte auswirken, dem Muskelabbau entgegenwirken und auch bei chronischen Rückenschmerzen Vorteile bieten. Leider bietet der Artikel keinerlei konkrete Zahlen, mit denen das Ausmaß der Effekte deutlich würde. Damit bleibt auch unklar, ob sich eine kurzfristige oder langfristige Diät auswirkt und um wieviel Prozent dann bestimmte Erkrankungswahrscheinlichkeiten eintreten. Auch fehlen Angaben dazu, welche Personen davon profitieren, ist es für bereits Kranke oder alte Menschen geeignet oder sollten sich gesunde Mensch so ernähren?

2. Die negativen Effekte werden angemessen berücksichtigt.

Zwar heißt es gegen Ende des Beitrags, eine „dauerhafte Lebensweise nach dem Säure-Basen-Konzept wird aus medizinischer Sicht nicht empfohlen.“ Doch warum das so ist, und welche negativen Effekte zu befürchten wären, erfahren Leserinnen und Leser nicht. Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

3. Es werden ALTERNATIVE Lebensmittel/Ernährungsformen/Diäten oder andere Maßnahmen vorgestellt/verglichen.

Der Beitrag befasst sich ausschließlich mit der „basischen Ernährung“, Vergleiche mit anderen Ernährungsformen und Diäten fehlen. Es gibt auch keinen Vergleich mit anderen Verfahren/Methoden, um ähnliche Effekte zu erzielen wie z.B. mit Sport, dass effektiv gegen Osteoporose, Muskelabbau, Rückenschmerzen hilft.

4. Die Belege/Studien werden ausreichend eingeordnet.

Der Beitrag behauptet einfach, es hätten „erst wenige wissenschaftliche Studien die Wirkung von Lebensmitteln auf den Säure-Basen-Haushalt untersucht. Ihre Erkenntnisse lauten jedoch: Eine Ernährung mit basischen Lebensmitteln hat viele gesundheitliche Vorteile.“ Welche Studien das sein sollen, welche Qualität und Aussagekraft diese haben – all dies verrät der Beitrag nicht. Auch die am Ende des Beitrags verlinkten Quellen nennen keine Studien und Belege.

5. Es gibt weitere, unabhängige Experten und die Quellen sind transparent.

Der Beitrag nennt für die angeblichen Vorteile der basischen Ernährung weder Experten noch andere wissenschaftliche Quellen. Einzig auf die DGE wird mit einer Empfehlung zum Fleisch und Gemüsekonsum verwiesen. Indes kann hier der falsche Eindruck entstehen, die DGE würde damit die Basen-Diät empfehlen, obwohl sie von diesem Konzept abrät https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/diaeten-fasten/?L=0. Positiv ist, dass am Ende des Artikels Quellen genannt und teilweise verlinkt sind wie die DGE, FitFoFun oder dpa. Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

6. Es wird auf mögliche INTERESSENKONFLIKTE eingegangen.

Da keine ExpertInnen oder Institutionen zitiert werden (abgesehen von der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)) spielen Interessenkonflikte hier keine Rolle. Daher wenden wir das Kriterium nicht an.

7. Es gibt eine Einordnung in den Kontext (Neuheit/Verfügbarkeit/Kosten/Herkunft etc.).

Außer der allgemeinen Bemerkung, basische Ernährung liege „im Trend“ (ohne dies zu belegen), gibt es keine Information dazu, seit wann dieses Konzept existiert und woher es stammt. Kosten werden nicht thematisiert, obwohl es durch den eingeschränkten Konsum auf Fisch und Fleisch möglicherweise eine kostengünstigere Ernährungsform ist als konventionelle Ernährung. Da es vor allem um pflanzliche Lebensmittel geht, wäre der Hinweis hilfreich, wann welche Lebensmittel Saison haben.

8. Die FAKTEN stimmen.

Der Beitrag enthält eine Vielzahl von Behauptungen ohne nachvollziehbare Hinweise auf Belege und Quellen, somit sind diese nicht zu überprüfen. Daher wenden wir das Kriterium nicht an.

Zwar werden Quellen angegeben, drei davon sind lediglich andere Publikumsmedien. Zwar wird auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Quelle angegeben, doch wird im Artikel der Eindruck erweckt, die DGE empfehle basische Lebensmittel, obwohl sie von diesem Konzept abrät.

9. Der Beitrag ist überwiegend eine JOURNALISTISCHE EIGENLEISTUNG.

Wir haben keine Hinweise dafür, dass der Artikel überwiegend auf Pressematerial beruht. Tatsächlich sind drei Quellen genannt, von denen zwei indes andere journalistische Beiträge sind.

10. Der Beitrag vermittelt das Thema ATTRAKTIV.

Die Struktur ist klar, ergänzt durch Info-Boxen und einem Inhaltsverzeichnis zu Beginn. Der Beitrag reiht indes lediglich altbekannte Behauptungen zum angeblichen Nutzen einer Ernährungsform / Diät auf, und listet Lebensmittel auf, die sauer bzw. basisch sein sollen. Er ist damit wenig interessant. Jede kritische Nachfrage, die den Beitrag interessant machen könnte, unterbleibt. Irritierend ist auch der Wechsel zwischen einer gewissen Distanz in den Formulierungen am Anfang („Dahinter steckt die These (…)“, „Vertreter der Ernährungsweise empfehlen (…)“) und einer weitgehend unkritisch affirmativen Darstellung im weiteren Verlauf des Textes. Am Ende heißt es dann wieder ohne jede Erklärung: „als dauerhafte Lebensweise (…) aus medizinischer Sicht nicht empfohlen“.

11. Das Thema VERSTÄNDLICH erklärt.

Weder erläutert der Beitrag, wie die basische Ernährung überhaupt funktionieren soll, noch hinterfragt er die Thesen der Vertreter einer solchen Basendiät. Was es heißen mag, ein Lebensmittel werde „basisch verstoffwechselt“, und wie sich das konkret auf den Organismus auswirken könnte, bleibt völlig unklar. Vage ist hinsichtlich der nicht näher benannten Studien von „offenen Fragen“ die Rede ­– welche das sind, erfährt man nicht. Auch die Warnung, dauerhaftes basisches Fasten werde von der DGE „nicht empfohlen“, bleibt ohne jede Erklärung. Ein ungeklärtes Rätsel am Rande: Warum soll Wasser ein basisches Lebensmittel sein?

12. Das Thema ist AKTUELL, RELEVANT ODER ORIGINELL.

Der Beitrag enthält keine neuen Erkenntnisse dazu; ein origineller Ansatz ist nicht zu erkennen; eine Ernährungsform, für die jeder Nachweis einer spezifischen Wirkung fehlt, ist nicht relevant.

Journalistische Kriterien: 1 von 10 erfüllt.

Title

Kriterium erfüllt

Kriterium nicht erfüllt

Kriterium nicht anwendbar